Hoggene, Weihnachten 2000


Beim Bäcker

Ein Tag vor Weihnachten; großes Gedränge beim Bäcker, mindestens 15 Leute stehen an. Ständig kommen weitere in den Laden.

Eine alte Frau, kleinwüchsig, verhutzelt, so eine typisch "Hoggemer Boasl", läuft zwischen den Wartenden hin und her. Sie stöhnt und zetert, blickt mich an und sagt:

"Ach Gott noa, wann misch doch nur oaner vorlosse kennt! Isch hab's doch eilisch."

Ich brumme sowas wie: "Ja, eilig haben wir's alle", darauf sie:

"Awer mein Hund muß doch gschore wärre!"

Ich erwidere kopfschüttelnd: "Irgendwas muß heute jeder noch..." und höre andere Wartende: "So, so!" und "Grad heit!" sowie "Was es net alles gibt!"

Die Alte aber schaut mich etwas erbost an und knurrt: "Seien Sie mol ruhisch, Sie kumme eh nooch mir drao, Ihne kann's egal sei, ob misch jemand vorloßt!"

Ein älterer Herr packt daraufhin die Dame an den Schultern und zerrt sie vor sich: "Do kumm her, derfsch vor misch, awer sei ruhisch!"

Im gleichen Augenblick ruft's hinter mir: "Ach Gott, jetzt is er fascht iwerfahre worre! Ja, der Hund! Ihrn Hund, do drauße!"

Gemeint ist das Püdelchen der alten Dame. Diese will's erst nicht wahrhaben, schaut sich hilflos um. Eine Frau erklärt: "Ihr Hund war net aogebunne, der is grad so iwer die Strooß geloffe und is fascht iwerfahre worre!"

"Ha, des kann doch gar net sei", erwidert die Alte fassungslos, "isch hab ihn doch... ach Gott noa... des kann doch net..."

"Doch", muß sie da hören, "gucke Sie, grad jetzt bind ihn 'n Mann erscht rischtisch ao." Und: "Do hätt net viel gfehlt, des Auto hot grad noch bremse kenne." Sowie: "Do wär er awer gschore gewese, der Hund". Worauf ich das letzte Wort haben darf: "Und zwar für immer!"


Die Weihnachtskarte

Irgendwann "zwischen den Jahren", vielleicht am 28.12. Es klingelt. Eine Frau, so um die 40, steht vor der Tür.

"Ach, isch bin die Frau A., isch wollt Ihrer Frau was vorbei bringe."

"Kommen Sie doch rein, meine Frau ist da."

"Ach ja, des is aber nett; aber isch hab wenig Zeit; isch will Sie auch nicht aufhalten."

Meine Frau erscheint im Hausgang. Gegenseitige Begrüßung.

"Ach, Frau Thum , isch wollt Ihne doch e Weihnachstskart schicke. Ich hab Ihne doch gsagt, daß isch auch Karte bastl, genauso wie Sie. Un do wollt isch Ihne mal zeige, was isch so gemacht hab. Aber, ach, vor Weihnachte kommt man ja zu nichts, da is so viel zu machen, gell, (hysterisches Lachen) und deshalb hab isch mir gedacht, ich bring sie Ihne jetzt persönlisch vorbei."

Streckt meiner Frau eine Karte hin und schwallt weiter: "Eigentlisch hätt's ein grünes Papier sein solle. Aber isch hab keines mehr gehabt; hab isch halt ein weißes genomme. Sehe Sie! Ja, is ganz gut gelunge, aber mit Grün war's noch besser. Aber so habe Sie wenigstens einen Eindruck, gell. Ja, ja, nix zu danke, isch muß wieder fort."

Und hechelt zur Tür hinaus.

 

© R. Thum, Dez. 2000