Die Kunst, Bananen zu kaufen

Angenommen, Sie haben irgendwo spanisch gelernt. Und nun kommen Sie zum ersten Mal in die Dominikanische Republik und wollen ihre stolz erworbenen Sprachkenntnisse anwenden. Wundern Sie sich nicht! Sie werden ihre Schwierigkeiten haben, gleichwohl wie jene Deutsche, die - gerade zwei Tage im Land - bei einem Straßenhändler Bananen einkaufte.

Zurück in ihrem Domizil, einem apart-hotel, holt sie ihre Beute aus der Einkaufstasche. Voller Vorfreude auf butterweiche, honigsüße, sonnengereifte und ungespritzte Bananen beginnt sie die erste zu schälen.
Seltsam, die Schalen lassen sich ja kaum entfernen! Was ist da los? Alle Versuche, auch die mit einem Messer, scheitern. Ob der Händler ein Schwindler war und unreife Bananen abgestoßen hat?
In ihrer Verzweiflung wendet sich die Señora an Juana, das Zimmermädchen.
Juana fragt grinsend:
"Que ha pedido, señora?" ( Was haben Sie verlangt?)
"Platanos", (Bananen).
Juana lacht: "O si, e'to son platano', also es sind schon Bananen, aber keine süßen, nein die sind zum Kochen. Warten Sie, ich besorge Ihnen süße, die heißen nämlich bei uns nicht platanos - ja gut, vielleicht heißen sie so in Spanien oder Peru - aber hier, bei uns heißen sie guineos; platanos heißen nur die zum Kochen."

Verrückt! Die Señora lernt bei dieser Gelegenheit noch ein wenig mehr: Das Wort bananas gibt es überhaupt nicht. Orangen sind chinas (Chinesinnen!) und Maracujas sind chinolas (Chinesolinnen!) Ananas sind piñas (Pinien!) und die ceresas, also die Kirschen, haben drei Kerne. Von guineo gibt es auch eine weibliche Form, guinea, aber das ist nicht etwa eine besondere Form der Süßbanane, sondern der Name für das Perlhuhn (auch eßbar, schmeckt hervorragend). Und von den platanos, also den Kochbananen, gibt es duros (harte) und maduros (reife). Die ersteren nimmt man eher zum Braten, die letzteren zum Kochen. Will die dominikanische Hausfrau z.B. etwas weichere Bananen, so verlangt sie, immer brav die Endungen verschluckend, lo' platano' ma' maduro'. Will sie aber die härteren, verlangt sie lo' platano' ma' duro' und - wohlgemerkt - nicht lo' platano' maduro'. Keine Angst, der Händler kennt den feinen Unterschied: Quiere lo' ma' maduro o prefiere ma' lo' ma' duro? (Wollen Sie die reiferen oder bevorzugen Sie lieber die härteren?) Alles klar?

Natürlich hat die deutsche Señora später ihre richtigen Bananen, also ihre Westafrikaner, bekommen. Und tatsächlich waren sie butterweich, honigsüß, sonnengereift. Nur ungespritzt, wie die Señora vermutete, waren sie auch nicht. Aber alles müssen die Touristen ja nicht wissen, oder?