Comic: Oskar der Familienvater

Eine Hommage auf Carl Fischer (Cefischer)

1952 erschien erstmals in der "Frankfurter Illustrierten" ein Comic mit einem Kater namens Oskar und seiner kätzischen Famlie. Schöpfer der Figur war Carl Fischer, ein ebenso talentierter Zeichner wie hervorragender Beobachter seiner Zeit. Die "Oskars" verkörperten die typische deutsche Nachkriegsfamilie: Oskar, "der Familienvater", einerseits lieb und fürsorglich, andererseits ein Schluri, der gern einen über den Durst trinkt und sich lieber ins Kino verdrückt als seine häuslichen Pflichten zu erledigen, seine Frau, immer nur "Mutti" genannt, eine richtige Hausfrau, etwas putzwütig, tratschsüchtig und überaus modevernarrt, aber auch raffiniert und hin und wieder sogar ein wenig emanzipiert; die fünf Kinder (drei Jungs, zwei Mädchen), frech und für alle Streiche zu haben, aber - wenn es darauf ankommt - Oskars beste Verbündete im täglichen Kleinkrieg gegen böse Nachbarn, unerwünschte Besucher und alle Spießer seiner Zeit. Es war deshalb nicht verwunderlich, daß sich viele Leser und Leserinnen in den "Oskars" wiedererkannten und 10 Jahre lang in jeder Ausgabe der Illustrierten nach der Katzenfamilie Auschau hielten.

Oskars Abenteuer wurden auch in kleinen Sammelbändchen herausgegeben. Sie trugen die Titel: "Oskar", "Oskars Abenteuer", "Frech wie Oskar", "Oskars Lausbubereien", "Oskar und Lumpi", "Oskar wird Schloßherr", "Oskars Seereise". Mitte der 70er Jahre wurden alle Oskargeschichten nochmals aufgelegt, und zwar als Lizenzausgabe für den Bertelsmann Club; 2001 erschien nochmals eine Ausgabe beim Gondrom-Verlag. Die Bücher scheinen vergriffen zu sein, können aber wohl noch über Antiquariate bestellt werden.

Über den Schöpfer Oskars, Carl Fischer, der sich selbst Cefischer nannte, ist nicht sehr viel bekannt. Tatsache ist, daß er kriegsversehrt war und alle seine Comics mit dem Mund gemalt hat. Im Vorwort zur genannten Lizenzausgabe von 1975 schreibt Richard Kirn: "Cefischer, der 74 Jahre alt geworden ist, trug das Schicksal seiner schweren Behinderung mit Fassung. Er war ein ungewöhnlicher Mensch. Nie sah man ihn erregt. Er nahm die Dinge mit Ruhe. Er rauchte viel, las gerne Kriminalromane, sammelte Briefmarken und trank gern Frankfurts Nationalgetränk Äpfelwein. Der Kater war sein zweites Selbst."

Auf der Suche nach Cefischer oder Oskar im Internet bin ich zunächst nicht fündig geworden. Da ich der Meinung war (und noch bin), dem frechen Familienvater Oskar und seinem Erfinder gebühre ein Platz in weltweiten Netz, habe ich diese Seiten geschafffen. Eine Kurzbiographie über Cefischer mit Bildern von ihm sind aber erfreulicherweise inzwischen zu finden unter http://www.fester.de/friedhof/namen-htm/fischer1900-1974.htm

Meine Seite zu Oskar und seinem Schöpfer hat inzwischen schon zu intereessanten Kontakten zu Personen geführt, die Cefischer persönlich gekannt haben und Bilder von ihm besitzen bzw. besaßen. Cefischer malte nämlich nicht nur Oskar-Comics, sondern auch noch andere, meist sehr witzige Bilder und illustrierte bekannte Kinderbücher. Hier möche ich - mit freundlicher Genehmigung ihrer Besitzer Felix Amrhein, Schweiz und Peter Schumann - zwei Bilder widergeben, eine "Löwen" und einen "Gaucho mit Stier".

Wer Auzüge aus den Oskar-Büchern sehen will, sollte mir ein e-mail schicken. Aus Urheberrechtsgründen möchte ich keine der Comic-Strefen ins Netz stellen.