Schwachsinn oder Geschäftssinn. Wie Esoteriker über's Ohr gehauen werden (wollen).
Der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Es liegt mir also fern, irgend jemanden, der unbedingt glauben will, was unter folgender Web-Adresse ("Esoterikwissen: "Lexikon der Heilsteine, Düfte und Kräuter.") zu finden ist, zu bekehren. Es kann aber sein, dass ganz unbedarfte Leute, die sich über den Larimar informieren wollen und über jene Seiten stolpern, das, was dort verbreitet wird, für bare Münze nehmen oder zumindset denken, es "könne ja was dran sein". Vielleicht gelangen diese Interessenten dann auch auf meine Seiten her. Für diese ist diese Abhandlung geschrieben.
Was ist der Larimar?
Mineralogisch ist er ein Pectolith, also ein Silikat mit der
vereinfachten Formel
NaCa2Si3O8(OH).Dabei treten Mg-Atome
anstelle des Ca und Al anstelle des Si. Das Minaral ist normalerweise
weiß, allenfalls leicht rosa gefärbt. Die Variante Larimar
ist grün bis blau, wobei diese Farbtönung mit ziemlicher
Sicherheit durch Spuren des Elementes Vanadium herrühren (siehe
Literaturangabe unten). Tiefblau gefärbte Stücke besitzen
eine höhere Härte als der normale Pectolith und lassen sich
gut schleifen. Die Larimar-Variante des Pectoliths ist bislang nur an
einem Ort der Welt gefunden worden: In einem Basalt in der Sierra de
Baoruco, Dominikanische Republik. Er wird dort seit Mitte der 70er
Jahre (des 20. Jhs.) abgebaut und zu Schmuckstücken verarbeitet.
Solche Schmuckstücke sind "typische" Souvenirs aus der
Dominikanischen Republik. Angaben, was die Lagerstätte noch
hergeben mag, sind widersprüchlich; es heißt, das
Vorkommen sei relativ erschöpft.
Hier gibt es Bilder!
Larimar und Esoterik
Die Seltenheit des Steines und seine Farbe, die an das
Blau der Karibik erinnern mag, machen ihn natürlich zu einem
prädestinierten Objekt für Mythen und Spekulationen. So
schrecken Esoterik-Händler nicht davor zurück, über
dieses Minaral folgendes zu schreiben. Ich zitiere aus dem schon
erwähnten "Lexikon der Heilsteine..." (Schreibfehler
belassen):
Historie, Mystik und Legenden:
Larimar diente vor allem den indianischen Völkern Amerikas und
den Urvölkern der Domenikanischen Republik als Glücksstein
und Heilstein. Larimar, so glaubten sie, halte nachts böse
Geister fern und bewahre die Familie vor todbringenden Krankheiten
und Naturkatastrophen. Übelieferungen belegen, daß die
Griechen ein kleines Inselvolk kannten, welches mit kleinen, blauen
Steinen sprach. Vermutlich handelte es sich bei diesem Volk um die
Einwohner des Inselstaates Atlantis, welcher aus unerklärlichen
Gründen untergegangen ist. Nur ein kleiner blauer Stein, der
Larimar oder Atlantis-Stein, blieb zur Erinnerung als Erbe von diesem
Land übrig.
Hierzu folgendes:
Es sind in keinem der Museen der Dominikanischen Republik Objekte aus
präkolumbianischer Zeit aufbewahrt bzw. ausgestellt, die aus
Larimar gefertigt sind oder die darauf hinweisen, dass die
Ureinwohner, die Tainos, diesen Stein kannten. In keiner der mir
bisher bekannten Quellen wird auf ein Wissen der Tainos um den
Larimar oder gar dessen Zauber- und Heilkraft hingewiesen.
Hätten die Indios diesen Stein gekannt, wäre dies sicher
auch den Spaniern aufgefallen, die den Stein dann auch genutzt oder
zumindest irgendwo erwähnt hätten. Die erste
nachprüfbare Erwähnung des Steines fand im Jahr 1974 statt
und zwar durch einen gewissen Herrn Miguel Mendez, der - zusammen mit
einem Angehörigen des US-amerik. Peace Corps - erstmals solche
Steine an der Küste von Baoruco sammelte und Untersuchungen zu
deren kommerziellen Nutzen durchführte. Der Name Larimar geht
auf eine Wortschöpfung dieses Sr. Mendez zurück,
nämlich: Lari von Larisa (seiner Tochter) und Mar von Meer (wohl
wegen der Farbe und des Fundortes) Möglich, dass Bewohner der
Gegend diese Steine bereits vorher am Strand gefunden haben, aber
nichts damit anzufangen wussten, die Steine allenfalls unbearbeitet
als Schmuck in ihre Häuser oder Hütten legten.
Es gab in der Dominikanischen Republik auch nie einen Bezug des
Steines zu "Atlantis" oder ähnlichen Mythen. Mir ist
während meiner Zeit im Geologischen Dienst in Santo Domingo
(1985 bis 88) nie zu Ohren gekommen, dass ein Dominikaner vom
"Atlantis-Stein" gesprochen hätte. Vielleicht tun das clevere
Geschäftsleute inzwischen, seit der Stein seltener wird. Aber
auch bei meinem letzten Besuch dort (Sommer 2001) habe ich nie diesen
Ausdruck gehört.
Dass die Tainos diesen Stein genutzt hätten und ihn gar an
irgendwelche Händler einer früheren Kultur verkauft haben
können (was ja bedeutete, dass sie diese "kommerziell" sammelten
oder abbauten, was vollkommen deren Natur und Wirtschaftsweisen
widersprach) ist also reine Phantasie!
Weitere Zitate aus dem besagten Buch bzw. der Web-site:
Folgende Wirkungen auf die Chakras werden dem Larimar nachgesagt: Larimar entfaltet seine stärksten Kräfte durch das Auflegen auf das Kehlchakra. Er transferiert unsere Gedanken durch die Seele in eine höhere Bewußtseinsebene, welche uns vor allem die Kraft zu mehr Selbstverwirklichung und mehr Selbstsicherheit gibt. Larimar ist in seinen meditativen Kräften ein Stein, welcher seine Energie in Verbindung mit anderen hellblauen Steinen (Chalcedon, blauer Topas, Türkis) besonders stark entfaltet.
Eine solche Wirkung habe ich weder bei mir noch bei sonst jemand, der einen Larimar besitzt, festgestellt, dabei täten uns ja "höhere Bewusstseinsebenen" ganz gut. Echte Esoterk-Freaks mögen diese "meditativen Kräfte" vielleicht schon gespürt haben.
Wie erhalten und pflegen Sie einen
Larimar?
Larimar ist ein sehr seltener Edelstein und in seinen Fundgebieten
nahezu ausgebeutet,' Er wird als Trommelstein, Handschmeichler,
Anhänger, Cabochon und sehr selten als Kette angeboten. Larimar
sollte regelmäßig unter fließendem lauwarmem Wasser
entladen und gereinigt werden.
Mir ist völlig schleierhaft, wie sich der Stein "aufladen" soll. Irgendwelche Effekte, die z.B. denen des Quarzes gleichkommen (Piezoelektrizität), sind nicht bekannt. Wahrscheinlich sind keine physikalischen, sondern nicht-messbare "geistige" Ladungen gemeint, die wiederum nur in der Einbildungskraft der Esoteriker existieren.
Stellen Sie farbige Verfärbungen auf Ihrem Larimar fest, so sollten Sie ihn unbedingt wöchentlich reinigen, da er im Augenblick ganz besondere Dienste für Sie erarbeitet. Larimar lädt sich sehr positiv an der Sonne auf, sollte aber nicht länger als ein bis zwei Stunden an der Morgen- oder Abendsonne liegen.
Es ist noch kein Larimar aufgetreten, der
"Verfärbungen" gezeigt hätte. Meine Kollegen im
Geologischen Dienst der Dominikanischen Republik berichteten mir aber
von Leuten, deren Larimar sich angeblich (!) entfärbt haben
soll. Dies treffe aber nur für hellgrüne, nicht für
blaue Steine zu. Unsere Untersuchungen zeigten in der Tat, dass die
hellgrüne Varietät gar nicht die farbgebenden
Spurenelemente wie Vanadium enthält, dagegen ein verzerrtes
Kristallgitter besitzt. Möglich, dass solche
Gitterstörungen bei Erhitzen verschwinden oder dass
Wassermoleküle sich einlagern, die beim Erwärmen
entweichen. Dieses wurde aber meines Wissens bislang nicht näher
untersucht. Richtige, tiefblaue Larimare können Sie also getrost
in der Sonne liegen lassen; es passiert nichts. Ich habe solche seit
Jahren in meinem Gewächshaus der Sonne ausgesetzt und nie
gereinigt - sie sehen aus wie frisch aus dem Berg geschlagen!
Dass meine Larimare für mich "besondere Dienste erarbeiten",
darauf warte ich bisher auch vergeblich. Es fehlt mir halt der
Glaube, das wird's wohl sein...
© R. Thum Juni 2002
Literaturhinweis: Bente, K., Thum, R., Wannemacher, J.: Colored Pectolites, so-called "Larimar", from Sierra de Baoruco, Barahona Province, southern Dominican Republic. N. Jb. Miner. Mh., 1991, H. 1, 14-22.