Kuh-Guckser-Award

für gaaaaanz besondere Leistungen, Schildbürgereien und Absurditäten

Preise 2004

 

 

Das "Goldpokal-Schwinger-Nili", erhält dieses Jahr die brillante Geschäftsidee mit dem "Handy-Schutzkärtchen". Mit diesem Kärtchen soll es möglich sein, gefährliche Strahlungen, die angeblich von Handys ausgehen, zu kompensieren. Außerdem schütz das Kärtchen vorm Abhören des Handys. Was muss man tun? Das Kärtchen für 12 Euro bestellen und dann auf dem Handy aufkleben. Das war's! Man beachte auch die Bezeichnung für die Einheiten: "Boviseinheiten" (siehe Fußnote). Das erinnert an das lateinische Wort für Kalb, junges Rind: bos, bovis. Was mag man dem Kunden damit wohl sagen wollen.

Es soll auch ein Kärtchen gegen Computerviren geben - mindestens genauso wirkungsvoll. Alles zusammen ist das schon ein kräftiges "Giiigick!" wert.

Die Homepage des Vertreibers "www.gesundleben.lu" ist übrigens nicht mehr zugänglich; vermutlich wurde sie wegen unlauterem Wettbewerb zwangsgeschlossen. Schaaaade! Die Seite, die das Schutzkärtchen anpreist funktioniert aber noch.

Zweiter Platz: Der "Medaillen-Elch" geht dieses Jahr an den Hessischen Rundfunk, Sender HR 1. Dieser startete im Sommer mit einem neuen Slogan: "HR 1 bewegt". Nach "SWR 1 gehört gehört" oder "Radio Regenbogen - nur wir sind von hier" also nun auch der Hessische Rundfunk mit seinem eigenen Slogan. Er bewegt! Toll! Wochenlang war dieser sinnfällige Spruch ständig zu hören und auf dem Display des Autoradios zu lesen (statt wie zuvor die Titel und Interpreten der gerade laufenden Musikstücke). Was "bewegte" so ein Spruch? Eigentlich nur den Finger zum Aus- oder Umschalteknopf. Nili's Kuh-Gucks-Clan hat jedenfalls seitdem den Sender kaum noch eingeschaltet. Immerhin: Seit November ist das Blöken von "HR 1 bewegt" etwas rarer geworden, vielleicht weil man annimmt, dass es jetzt der letzte Hörer gefressen hat. Deshalb "nur" der 2. Platz, "nur" Silber.

 

Dritter Platz: Den Blumenstrauß in Bronze bekommt in diesem Jahr der ARD-Auslandskorrespondent Mathias Reiche um die Ohren geschlagen, da er als jahrelanger Experte für die Karibik und Südamerika bis heute nicht gelernt hat, die Bewohner der Republik "Haiti" richtig zu bezeichnen. Für ihn sind und bleiben das "Haizianer". Auch mit der Inselrepublik St. Lucia hat er seine Probleme, nennt er sie doch "Santa Luschia" mit Betonung auf dem i. Weiter so, Herr Reiche!

Und dann zu guter Letzt noch dieses Schildchen, das an einer Eisdiele in Hockenheim gefunden wurde. "Deutsches Schprache schweres Schprache", das wissen wir nicht erst seit PISA.


Die Narrenkappe mit Schellen will Nili-Kuh-Gucks-Klan dieses Jahr auch vergeben. Bei der großen Vielzahl von tollen Leistungen unserer Politiker und "Führungskräfte" fällt da die Auswahl schwer. Wir stülpen sie aber - stellvertretend für alle Bildungsplaner - der hessischen Landesregierung über, deren Ministerpräsident Roland Koch vor Kurzem verkündet hat, die diesjährige PISA-Studie sei doch für Deutschland gar nicht so schlecht ausgefallen. Wir lägen immerhin im Mitelfeld und hätten uns sogar ein bischen verbessert. Alles bestens - was wollt ihr denn noch?! Hessen hat in seinen Lehrplänen als Reaktion auf PISA I die Zahl der Prüfungen und Klassenarbeiten erhöht, Baden-Württemberg hat die Gymnasialzeit auf 12 Jahre verkürzt und ebenfalls den Leistungsdruck hochgeschraubt, usw. usf. Mehr Prüfungen, mehr Stress, mehr Selektion statt Motivation an die Schulen! Und schon sind wir wieder "gut im Mittelfeld" (siehe das Schild oben - die Zahl der sich darin befindlichen Fehler entspricht der durchschnittlichen Fehlerzahl pro gleicher Anzahl Wörter in einer Diplomarbeit an einer deutschen Hochschule - [oder vielleicht auch der Fehlerzahl in diesem Text?])

Und dann noch der immer wieder gehörte Spruch, wo denn die Nobelpreise für die Länder wären, die bei PISA gut abschneiden (Finnland, Korea, Hong Kong ...). Wer so argumentiert, dem gehört wirklich die Narrenkappe tief ins Gesicht gezogen und dann kräftig mit den Glöckchen gebimmelt. Hellau, Narrhallamarsch!


Zur Boviseinheit. Diese dient dazu, laut Definition aus einem Esoterik-Lexikon, um "nicht-materielle Energieformen zu bestimmen". Wer noch nicht genug hat mit Quatsch und Verdummung, der siehe nach unter: http://www.rutengeher.com/radiaesthesie/boviseinheit/


Der "Nasse Betonsack" wird dieses Jahr nicht vergeben.


Preise der Vorjahre

2003
2002
2001
2000

Und wer noch nicht weiß, was der "Kuh-Gucks-Clan" ist, hier gibt's Aufklärung ;-)


Die Preise werden jährlich vergeben. Vorschläge werden gern entgegen genommen.

 


Bilder:
Zeichnungen der 3 Awards: Andrea Thum
Narrenkappen-Nili: Sabine Thum
Foto: Rolf Thum