Kuh-Guckser-Award

für gaaaaanz besondere Leistungen, Schildbürgereien und Absurditäten

Preise 2008

 

Dieses Jahr muss leider schon wieder die Post in den sauren Apfel, pardon, in die Goldmedallie beißen. Eine Sendung von mir an die Hochschule Furtwangen wurde mit dem Hinweis "Adresse unvollständig" nicht zugestellt. Grund: Bei der Adresse fehltedie Hausnummer - statt "Gerwigplatz 1", stand auf dem Umschlag nur "Gerwigplatz". Bizarrerweise gibt es aber am Gerwigplatz in Furtwangen nur eine Hochschule (die nicht zu übersehen ist) und zudem hat der Gerwigplatz meines Wissens nur eine einzige Nummer! Wie auch immer, hier hat einmal wieder ein Postzusteller seine übertriebene Korrektheit bewiesen bzw. gezeigt, dass das Obrigkeitsdenken auch etliche Jahre nach der Privatisierung noch nicht abgelegt wurde.

Neben bei, auch mit den E-Mail-Adressen hat man heutzutage seine wahre Freude. So hat z.B. meine Hochschule vor rund zwei Jahren die Adressen von ...@fh-mannheim.de auf ...@hs-mannheim.de umgestellt. Soweit noch kein Beinbruch. Nur hat man nach recht kurzer Zeit gemeint, die Post auf die alte Adresse nicht mehr an die neue weiterleiten zu müssen. Die Probleme die dadurch entstanden, kann man sich vorstellen - denn nicht jeder, der irgendwo die Hochschuladressen auf seiner Webseite aufgeführt oder in seinem Adressverzeichnis gespeichert hatte, wusste von der Umstellung. So manches Schreiben ging deshalb im Äther verloren. Neulich erfuhr ich, dass auch andere Einrichtungen mitunter solche Umstellungen ohne Weiterleitung von den alten Adressen vornehmen. Dan könnte man dann wirklich in etwas hinein beißen - es muss ja nicht gerade Gold sein, ein Stück Holz (wie weiland bei Julius Cäsar) tut es ja auch.

Noch eine Goldmedallie und zwar für Alitalia - eine Fluggesellschaft, die es ja so gar nicht mehr gibt. Im März 2008 gab es sie noch und wir flogen damit nach Palermo; Zwischenstopp in Mailand. Auf dem Rückweg war der Anschluss ziemlich knapp und wir ahnten schon, dass die Koffer nicht mitkommen würden. Tatsächlich: Unsere Koffer kamen nicht in Stuttgart an, sie blieben in Mailand. Zwei Tage später bekomme ich einen Anruf von einem Herrn aus dem Schwäbischen, der mir mitteilt, bei ihm sei einer meiner Koffer gelandet. Dieser Herr war in der gleichen Maschine mitgereist und hatte ebenfalls sein Gepäck vermisst. Warum einer unserer Koffer, der übrigens eine eindeutige Adresse trug, bei jenem Herren gelandet war - völlig unverständlich! Erst zwei weitere Tage später trafen dann unsere Koffer bei uns ein.

Mehr Pech hatten bekanntlich Abfliegende vom im März neu eröffneten Terminal des Flughafens Heathrow, London. Deren Koffer wurden eine zeitlang gar nicht befördert, bis zu 30.000 stapelten sich in einer Halle. Absurderweise wurden sie dann nach Mailand (!) gebracht und von dort durch Kurriere in Europa verteilt. Da wird mancher Reisende längst wieder zurück in London gewesen sein, wenn sein Koffer am Zielort in Europs (oder wo auch immer) angekommen sein mag!  


Einen silbernen Pokal stiftet das Nili dieses Jahr den Kunstkritikern. Haben Sie sich auch schon gefragt, warum die Texte von Kunstkritikern (so gut wie) immer so abgehoben, ja regelrecht schwulstig klingen? Vielleicht, weil die Autoren selbst ein Kunstwerk schaffen wollen? Oder weil in Künstlerkreisen eine eigene Sprache kursiert, die wir Normalsterbliche nicht verstehen sollen (oder vielleicht auch nicht verstehen wollen, weil wir schlichtweg zu faul sind, die Metaphern zu enträtseln)? Hier zwei Beispiele, die aber noch unter der Rubrik „moderat“ eingeordnet werden können. Wer jemals einer Lobrede bei einer Vernissage gelauscht hat, weiß, dass es noch viel schlimmer kommen kann!

 
Aus der Einladung zur Vernissage von Dao Droste, 2008


Gefunden im Margräfler Museum, Müllheim, Frühjahr 2008


 

Statt Bronze dieses Jahr etwas zum Schreien! Nein, ich bedenke damit nicht die Politiker, die ihren Mund zu voll nehmen (siehe Hessens Ypsilanti oder jener Hinterbänkler aus Baden-Württemberg, der meinte, nur Kirchenmitglieder sollten an Weihnachten in die Messe gehen dürfen), sondern jene, die vor lauter Langeweile nicht wissen, womit sie die Menschheit beglücken sollen. Ein Rechtsstreit um einen ausgasenden Hund mag dafür exemplarisch stehen (Stuttgarter Zeitung, 29.11.08).

 

 

Und dann auch noch diese Rezension zum Werk "Feuchtgebiete", die ich bei amazon.de fand. Ich fand sie so treffend, dass ich sie hier unbedingt zitieren muss. Den Schinken von Frau Roche habe ich natürlich (!) nicht gelesen. (Wo kämen wir da hin!):

Es ist fünf vor Rom, 25. Juni 2008
Wie krank muss ein Mensch wohl sein, der solche Perversitäten zu Papier bringt? Wie verkommen ist eine Gesellschaft, die diesen billigen Kram in ihren Bestsellerlisten nach oben pusht? Das perverseste Schwein im untergehenden Rom wäre nicht auf die Idee gekommen, seine Mitmenschen mit derartigem Schund zu belästigen. In einem Land, in dem Säuglinge aus dem 10. Stock geworfen werden, wo man Alte und Kranke nicht besieht und wo sich auf Schauspielbühnen wieder zunehmend nackte Akteure tummeln, da delektiert man sich offenbar auch über derartige Lektüre. Mein Exemplar ist jedenfalls da gelandet, wo es hin gehört: Auf den Müll.

 


Die Narrenkappe mit Schellen

... mag es für jene geben, die sich mit "Beten für billiges Benzin" einen Namen gemacht haben. Jetzt, Ende 2008, ist es soweit: Ihre Gebete wurden erhört. Benzin ist bilig wie seit Jahren nicht mehr. Mal sehen, ob die Gebete der Ölförderer und Ölproduzenten nach höheren Preisen auch demnächst erhört werden.

 


Auch dieses Jahr gibt es wieder den "Nassen Betonsack" für besonders nachhaltige Bauweise. Ein Hochhaus in Atlanta, USA, sollte besonders elegant, nämlich rund, sein. Bedacht wurde allerdings nicht, dass es in der Gegend öfters heftige Stürme gibt (Tornados und Ausläufer von Hurricans). Die Scheiben des Gebäudes brachen bei der ersten Bewährungsprobe ein. Jeder schwarze Fleck auf dem Turm ist kein geöffnetes, sondern ein zerbrochenes - und mit Plastikfolie verhängtes - Fenster. Da die Fenster Sonderanfertigungen waren, ist Ersatz so schnell nicht zu bekommen. Das Gebäude steht seit geraumer Zeit leer ... man denkt über einen Abriss nach ...


Rundes Hochhaus in Atlanta, aufgenommen am frühen Morgen, Dez. 2008
(keine "amerikanischen Farben", sondern eine echte Morgenröte!)


Zu guter Letzt

war da noch im Vorjahr mein Preis für die Jagdpächter in Heidelberg, die zu wenig gegen die Sauenplage unternommen hatten. Inzwischen haben die Jagdpächter ein wenig dazu gelernt und bemühen sich um mehr Abschüsse. Dennoch gibt es auch dieses Jahr wieder einen schweinigen Hinweis, nämlich auf diese Webseite. Grunz, grunz ...

...und dann dieses Bild: Hoppla, echte Kuh-Gluckser? Nein, so genannte Nazarener bei einer hochreligiösen Osterprozession in einer Gemeinde in Andalusien, Spanien (Foto: Alexandra Rainer)


Preise der Vorjahre

2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
2000

Und wer noch nicht weiß, was der "Kuh-Gucks-Clan" ist, hier gibt's Aufklärung ;-)


Die Preise werden jährlich vergeben. Vorschläge werden gern entgegen genommen.

 


Entwürfe für die Bilder: Sabine Thum
Fotos: Rolf Thum

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