Kuh-Guckser-Award

für gaaaaanz besondere Leistungen, Schildbürgereien und Absurditäten

Preise 2006

 

Den ersten Preis in diesem Jahr erhält Firma Astar (Motto: "Quality supplies"), Hersteller von Tonercasetten für Laserdrucker. Im Oktober bestellten wir für unseren Drucker an der Hochschule eine Casette. Diese leckte und druckte sonderbare Wölkchen auf's Papier. Die Ersatzcasette war ebenfalls defekt: Der Schutzfilm ließ sich nicht herausziehen. Nicht einmal die stärksten Männer an unserer Hochschule -Leute aus Druckerei und Werkstatt - bekamen den Streifen heraus. Also nochmals Reklamation und Zusendung einer dritten Casette. Als wir diese öffneten, flog uns Ruß entgegen ("Feinstaub"!); die Casette war aufgeplatz und all der Toner bereits herausgelaufen. Damit war das Maß voll. Unser Händler orderte eine Casette bei einer anderen Firma und wir vergeben hiermit den Goldpokal für diese herausragende Leistung an die Abteilung Qualitätskontrolle der Firma Astar. Tusch!

 

Nein, den zweiten Preis bekommt nicht schon wieder die Post und auch nicht die Bahn. Ich vergebe ihn für diese Vortragsankündigung, die bei mir als unerwünschte E-Mail-Werbung hereinflatterte (wobei "flattern" natürlich bildlich gemeint ist):

Leben durch Lichtnahrung 
Auf diese Frage antwortet: Dr. Michael Werner
Am Vortragsabend am Freitag 29.09.2006 / 19.30 Uhr in den Räumen der Dr. Ingeborg Gebert-Heiß Stiftung
Michael Werner, Naturwissenschaftler, Dr. der Chemie und Betriebsleiter eines in der Krebsforschung tätigen Institutes, hat die so genannte Lichtnahrung an sich selbst ausprobiert. Seit mehreren Jahren lebt er ohne Einnahme fester Nahrung - und er fühlt sich besser denn je. Im Rahmen eines akademischen Forschungsprojekts hat er sich einem auf strengen wissenschaftlichen Richtlinien basierenden zehntägigen klinischen Versuch unterzogen.  (Die Einnahmen kommen der Stiftungsarbeit von Herrn Dr. Werner & Dr. Ingeborg Gebert Heiß Stiftung zugute). Eintritt 10,- Euro
Um Platzreservierung wird gebeten unter ...

Bei der erwähnten Lichtnahrung soll es sich unbestätigten Gerüchten zu Folge um flüssige Schokolade handeln.

Dem Erfinder der Lichtnahrung gebührt ein lautes, anerkennendes: "Giiiigick!"

 

Der dritte Platz bleibt wieder bei den Hochschulen. Es geht um die Umbenennung der Fachhochschulen in "Hochschulen". Laut Hochschulgesetz gehören jetzt zu den Hochschulen (Gattungsbegriff!): Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen sowie Kunst- und Musikhochschulen. Zu den Fachhochschulen wiederum gehören Einrichtungen, die sich schlicht Hochschulen nennen müssen, jeweils mit dem Zusatz des Standortes (also Hochschule Mannheim, Hochschule Pforzheim, etc.) oder weiteren Namenszusätzen wie "Hochschule der Medien ..." oder "Hochschule für Technik und Wirtschaft ...". Nicht genug des grausamen Spiels: Im Zuge der Namensänderungen wurden auch alle Logos der Hochschulen geändert, damit natürlich sämtliche Briefpapiere, Internetauftritte usw. usf. Hat eigentlich mal jemand ausgerechnet, was dieser Schwachsinn kostet? Die Idiotie geht noch weiter: Es wurden nun auch alle Domain-Namen und damit E-Mail-Adressen geändert. Nachdem die Fachhochschulen sich jahrelang mit ziemlich einheitlichen Adressen abgefunden hatten (name@fh-ortsname.de, also z.B. thum@fh-mannheim.de) geht es nun wie in den Anfangszeiten der elektronischen Mails wieder kreuz und quer durcheinander. Es gab keine Absprachen oder Vorgaben, also gibt es jetzt statt "fh-" folgende mir bekannte Kürzel: "hs-", "hdm-", "hft-", "htw-", "hfwu-", "htwg-", "hfg-" und in einem Fall sogar "university-". Daneben haben einge Hochschulen noch ihr altes "fh-" laufen, also noch nicht umgestellt. Ein absurdes Spiel, das all die Adressbücher und Links auf sicher tausenden von Webseiten durcheinander bringt. Hierfür ein kräftiges "Muuuuh!"


Die Narrenkappe mit Schellen

... erhält - ja, wer? Der genaue Adressat ist nicht zu ermitteln, denn an dieser Schildbürgerei oder besser gesagt "Blödokratie" haben viele mitgewirkt. Man lese hier und wundere sich, so wie sich Nilis Kuh-Gucks-Clan gewundert hat:

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,447586,00.html


Auch dieses Jahr gibt es wieder den "Nassen Betonsack" und zwar wieder für die Gestaltung eines Platzes. Dieses Mal in der Gemeinde Forst, Nordbaden. Die Öde des Platzes soll vielleicht "Weite" und "Weltoffenheit" oder gar "Südländisches Flair" demonstrieren - Nili's Kuh-Gucks-Clan vermisst hier jedoch jegliche Behaglichkeit. Man stelle sich diesen Platz bei grauem Novemberwetter vor!


Zu guter Letzt

war da noch jener ehemalige Stadtrat einer nordbadischen Gemeinde, der öfentlich zugegab, Steine von einem historischen Gebäude geklaut zu haben ("Isch hab aa ä paar mitgenumme"), und zwar von einem Gebäude, das abgebaut worden war, um an anderer Stelle wieder errichtet zu werdenl. Schließlich ist man ja auch in Nordbaden geschichtsbewusst und reißt alte, unter Denkmalschutz stehende Gebäude nicht einfach nur so ab! Man fragt sich nur, mit welchen Steinen der Bau wieder erstehen soll, wenn da so mancher "aa ä paar mitgenumme" haben soll.


Preise der Vorjahre
2005
2004
2003
2002
2001
2000

Und wer noch nicht weiß, was der "Kuh-Gucks-Clan" ist, hier gibt's Aufklärung ;-)


Die Preise werden jährlich vergeben. Vorschläge werden gern entgegen genommen.

 


Bilder:
Zeichnungen der 3 Awards: Andrea Thum
Narrenkappen-Nili: Sabine Thum
Foto: Rolf Thum