Lutz Fischer-Klimaschewski

Die wundersamen Wolkengeschichten von Rolf Thum

In seinem Phantasy-Roman "Die wundersamen Wolkengeschichten" gestaltet Rolf Thum ein altes Thema der Literatur, welchen Genres auch immer: Den Kampf des Guten mit dem Bösen. Genauer gesagt erzählt der Autor die abenteuerlichen und phantastischen Erlebnisse des Kater Quax, der durch seine Freundschaft mit dem Zauberer Ortwin in eben diese Auseinandersetzung zwischen guten und bösen Mächten verstrickt wird. Eine alte Geschichte wird man meinen - aber es lohnt sich, einen genaueren Blick auf dieses Buch zu werfen. Denn in diesem konsequent aus Katzenperspektive geschriebenen Buch sind die wahren Helden eben Katzen und Kater, die der Autor liebevoll in allen Schattierungen kätzischen Daseins darstellt: Sie, die schließlich das Böse in Person des Magiers Salaam überwinden, sind keine tugendhafte Lichtgestalten sondern samtpfötige Allerwelts-Katzen mit ihren kleinen und großen Schwächen. Diese Perspektive, die sehr überzeugend im ganzen Buch durchgehalten wird und immer wieder des Autors profunde Kenntnis der Psychologie unserer vierbeinige Mitkatzen widerspiegelt, läßt die menschlichen Figuren in den Hintergrund rücken und webt in den Text einen gewissen Hauch von Ironie hinein, was dieses Buch so symphatisch macht. So wie diese Ironie gleichsam die spannende und phantasievolle Handlung im Gleichgewicht hält, so ist es dem Autor - einem promovierten Naturwissenschaftler nebenbei gesagt - gelungen, den Wundern an Maschinen, die die Macht des bösen Magiers begründen, immer eine gewisse Plausibiltät zu verleihen, sozusagen die Phantasie mit naturwissenschaftlicher Kenntnis zu erden. Auch die Schauplätze der Handlung, von Odenwald, über die Bretagne bis zum sagenhaften Ogk scheinen sorgfältig ausgewählt; ihre Abfolge im Handlungsverlauf korrespondiert mit der sich dem Leser immer stärken offenbarenden Verstrickung der Helden im Kampf mit dem unheimlichen Salaam. Dem Autor ist somit ein sehr balanciertes Werk gelungen, dessen Spannungsbogen sehr gut bis zum finalen Höhepunkt der Story hält.

Vor dem Hintergrund der Erfahrungen des modernen Menschen mit der Technik, ist aber auch eine andere Lesart des Buch gerechtfertigt: Es lässt sich als eine Parabel auf die Technikgläubigkeit und der daraus resultierenden Allmachtsphantasien lesen. Salaam, dem scheinbar alle Macht der Welt zur Verfügung steht, scheitert eben gerade darum, weil er sich zu sehr auf seine technologische Überlegenheit verlässt und in dem Moment, als sich diese als verwundbar erweist, von seinen unterwürfigen Mitstreitern verlassen wird. Dem setzen die Katzen und der Zauberer Ortwin das menschliche - pardon - kätzische Maß gegenüber: Im gemeinsamen Handeln und im Vertrauen aufeinander - trotz gelegentlicher Streitigkeiten - und im verantwortungsvollen Umgang mit dem Wissen, das ihnen eben nicht zur Ausübung von Macht dient, triumphieren sie über Salaam.

Kurz gesagt: ein schönes, spannendes, phantasievoll gestaltetes und damit ein sehr lesenswerte Buch.

Mannheim, 09.11.1999

 

Lutz Fischer-Klimaschewski studierte Germanistik, Geschichte und Politik an der Universität Heidelberg. Er arbeitet derzeit als Referent der Rektorenkonferenz der Fachhochschulen (RKF) des Landes Baden-Württemberg.