Donauschwäbisch

so redeten die Deutschen in Ungarn, um Budapest herum, die meistens aus Niederösterreich stammten. Deren Donauschwäbisch war deshalb eher ein Niederösterreichisch. Die echten Schwaben siedelten weiter südlich, in Siebenbürgen (das auch mal zu Ungarn gehörte). Aber meine Vorfahren mütterlicherseits waren keine Schwaben, sie waren Niederösterreicher; eingie sollten auch aus Böhmen zugewandert sein, so genau weiß man das nicht mehr. Jedenfalls lebten sie recht und schlecht als Handwerker, Bauern und Winzer in und um Budapest.

Bis 1944/45 zumindest, dann wurden sie aus Ungarn entweder ausgewiesen oder - falls sie bleiben durften - ganz von den Ungarn assimiliert: Auch ein Ergebnis des Größenwahns der Nazis, die die Deutschen in Ungarn vor ihren Karren spannten (na ja, einige liefen den Nazis auch freiwillig hinterher) und für ihre Weltmachtpläne mißbrauchten. Kein Wunder, dass die Ungarn nach dem Krieg von den Deutschen wenig wissen wollten. Später, als der Kalte Krieg auf seinem Höhepunkt war, beim Einmarsch der Russen in Budapest 1956 und der Niederschlagung des Aufstands gegen die Stalinherrschaft, flohen dann nochmals viele Deutschstämmige in den Westen. Erst nach dem Ende des Kalten Krieges - zu dessen Ende die Ungarn ja bekanntlich einiges beigetragen hatten - kamen die Deutschen zurück und erwarben wieder Grundstücke im Donauland - vor allem am Plattensee, für ihre Wochenendhäuser.

Ob die Deutschen sehr an ihrer donauschwäbischen Heimat hingen? Gewiß! Aber ob sie traurig waren, Ungarn verlassen zu haben? Unklar. Wie es einer unserer Bekannten einmal sagte, der irgendwann in den 60ern rübergekommen war: "Ich würde Ungarn heute nicht mehr verlassen, bin aber heilfroh es vor einigen Jahren getan zu haben!"

Das Donausschwäbisch jedenfalls stirbt aus! Kaum einer der in Ungarn noch lebenden Deutschen beherrscht es, und wenn es einer/eine beherrscht ist er/sie gewiß über 70 Jahre alt. Und auch die im Westen lebenden Ungardeutschen haben ihren Dialekt so gut wie nicht an die jüngere Generation weitergegeben. Deshalb habe ich versucht, diesen Dialekt zu erhalten, hier in Form der Kurzgeschichten und Sprüche, wobei ich nicht nur Altes konservieren will, sondern auch neue Stories in dieser Mundart schreiben möchte. Ein Anfang ist gemacht: